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Ein Herz für die Seele

Man muss die Menschen nicht lieben, aber man muss sie gern haben

Rea Wittwer (Text), Pia Neuenschwander (Fotos)

Marlène Ingold arbeitet diskret: Die Pflegefachfrau Psychiatrie besucht und begleitet Menschen mit psychischen Krankheiten oder Krisen in ihrem Zuhause. 

Nach einem intensiven Arbeitstag freut sich Marlène Ingold (42), bei ihrer Familie und in der Natur auf ganz andere Gedanken zu kommen: «Wir haben einen grossen Garten mit Hühnern, dies alles – und meine Kinder natürlich – lässt mich tipptopp abschalten.» Es kommt nicht von ungefähr, dass die Themen rund um das Abschalten präsent und besonders wichtig sind. Sich abgrenzen und auftanken können sei zentral in ihrem Beruf, den Marlène Ingold mit viel Engagement und Fingerspitzengefühl ausübt.

Vernetzen und Vorankommen
Menschen mit psychischen Krankheiten oder durch Krisen hinweg zu begleiten, persönliche Schicksale hautnah mitzuerleben, Betroffene dabei zu unterstützen, dass sie wieder Fuss fassen in ihrem Leben, sowohl Angehörige als auch das interprofessionelle Netzwerk immer miteinzubeziehen – dies alles und vieles mehr mache ihre Tätigkeit so spannend wie herausfordernd zugleich. Administrative Hürden mit anderen involvierten Stellen wirken sich gerade in diesem Bereich negativ auf betroffene Menschen und ihre Situation aus. Hier ist es Marlène Ingold und ihren Teamkolleginnen besonders wichtig, proaktiv zu agieren und effizient voranzukommen. «In den letzten Jahren hat sich in diesem Bereich viel getan und die Spitex wird von Ämtern, Praxen und Kliniken oft ganz automatisch mit den wichtigen Informationen bedient. Wenn nicht, müssen wir uns diese beschaffen, das kann dauern...» So wünscht sich Marlène Ingold manchmal etwas mehr Pragmatismus, zum Wohle der Betroffenen und im Hinblick auf die individuell bestmögliche Lösung, Begleitung oder Therapie.

Unterstützen und Zuhören
Marlène Ingold arbeitet Teilzeit und besucht meist wöchentlich dieselben Kundinnen und Kunden in ihrem Zuhause. Die Palette ihrer Tätigkeit ist breit: Begleitung durch Gespräche, Medikamentenabgabe, Angsttraining, allgemeine Unterstützung in der Krise und weitere mögliche Dienstleistungen gehören zum Arbeitsalltag der Pflegefachfrau Psychiatrie. Sie schätzt es, dabei eine stabile und vertrauensvolle Kundenbeziehung aufzubauen – und damit auch immer wieder zu kleinen und grösseren Erfolgserlebnissen beizutragen. «Es ist immer schön mitzuerleben, wenn es jemandem besser geht und wieder etwas Normalität einkehren darf», sagt sie und ihr Lachen zeigt, dass Herz und Beruf miteinander verbunden sind. Bei ihren Besuchen vor Ort ist sie stets mit dem Privatauto unterwegs, Diskretion und das Schützen der Privatsphäre sei das oberste Gebot. 

Austauschen und Auffangen
Elementar für sie und ihre Kolleginnen sei der Austausch im achtköpfigen Team und auch mit der Geschäftsleitung: «Zu hören wie es meine Kolleginnen machen, was sie gerade beschäftigt oder einen Ratschlag abholen zu können, ist mir wichtig. Es kommt immer wieder vor, dass wir einander durch einen kurzen Austausch auffangen und weiterbringen können.» Das Team der ambulanten psychiatrischen Pflege und Betreuung der Spitex Aare Gürbetal ist selbstorganisiert und trifft sich monatlich zur Teamsitzung. Da die meisten der acht Mitarbeitenden nicht Vollzeit arbeiten, ist auch hier Pragmatismus zum Wohle aller Beteiligten angesagt: Wenn Fragen auftauchen, deren Lösung nicht warten kann, fällen die gerade anwesenden Teammitglieder eine Entscheidung. «Das funktioniert sehr gut und so kommen wir auch voran», so Ingold.

 

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